Oliver Quilling Landrat Kreis Offenbach
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Nominierung zum Landratskandidat

Sie finden hier meine Rede anlässlich des Nominierungs-Parteitages vom 13. März 2015 in Mühlheim am Main. Die Delegierten wählten mit 99,2% der abgegebenen Stimmen mich erneut zum Kandidat für das Amt des Landrats des Kreises Offenbach.  


Es gilt das gesprochene Wort!

 

Meine Damen und Herren,

 

die CDU im Kreis ist ein gutes Team. Darum habe ich gerne den Vorschlag des Kreisvorstandes angenommen, mich heute wieder zur Wahl zu stellen. Deshalb auch gleich zu Beginn ein großes Dankeschön an Partei und Fraktion für die vergangenen sechs Jahre. Ich habe in dieser Zeit immer gewusst, auch wenn uns der Wind hin und wieder mal in das Gesicht blies, auf unsere CDU kann ich mich verlassen. Ich finde gerade dieser Teamgeist, geprägt von unseren Partei- und Fraktionsvorsitzenden Frank Lortz und Bernd Abeln, machen unsere Partei auf Kreisebene aus. Und ich glaube, ich kann hier auch im Namen meiner Kollegin Claudia Jäger sprechen. Wir wissen beide um die verlässliche Unterstützung unserer Partei. Kurzum: In den vergangenen sechs Jahren war aufeinander Verlass! Und es waren verflixt schnelle sechs Jahre.

Ich habe in Vorbereitung auf den heutigen Abend meine Rede zum Nominierungs-Parteitag 2009 angeschaut. Natürlich auch ein stückweit zur Selbstkontrolle. Ich bin der festen Überzeugung, die Schwerpunkte haben an Aktualität nichts verloren: Schule und Bildung, unser Wirtschaftsstandort, solide Haushaltsführung und Lebensqualität im Kreis Offenbach.
 

Im Stil meiner Amtsführung bin ich sicherlich geprägt von meiner jahrelangen Bürgermeistertätigkeit. Zu Beginn meiner Amtszeit warnten mich meine Kollegin Claudia Jäger und Verwaltungsmitarbeiter, das läuft hier auf Kreisebene anders: Der Kreis ist weiter weg. Stimmt! Denn hin und wieder werde ich von Bürgerinnen und Bürgern gefragt, die sich nicht regelmäßig über Kommunalpolitik informieren, was macht ihr da eigentlich im Kreis?
 

Und ich antworte dann, für mich ist eines der zentralen Politikfelder die Schul- und Bildungspolitik. Und gerade hier hat die politische Mehrheit in den vergangenen Jahren einen klaren Schwerpunkt gesetzt. Übrigens: oft - gerade wenn es um einzelne Schulbaumaßnahmen ging - einstimmig, über die Koalitionsgrenzen hinaus.
 

Der Kreis Offenbach hat in den vergangenen zehn Jahren rund 470 Millionen Euro in seine Schulen investiert. Uns lag am Herzen, ein Lernumfeld zu schaffen, das den Anforderungen an die Bildung für die Zukunft gerecht wird und zwar im gesamten Kreisgebiet für alle Schülerinnen und Schüler in vergleichbarer Qualität. Außerdem mussten wir den jahrelangen Investitionsstau mit Blick auf den Brandschutz beenden und das kreiseigene Immobilienvermögen erhalten. All das haben wir geschafft. 

Regen, der durch Flachdächer einer Grundschule tropfte oder Wind, der durch morsche Fenster einer Gesamtschule pfiff, verkratzte Schiefertafeln, solche Szenarien in anderen Städten und Kreisen durchaus heute noch Realität, sind im Kreis Offenbach Vergangenheit.

Zugegeben, wir haben uns finanziell ein großes Paket aufgebunden. Wir haben in Gebäude, Klassenräume, die Ausstattung der Naturwissenschaften und in die Hard- und Software investiert. Und ganz nebenbei mit dem Haus des Lebenslangen Lernens in Dreieich ein Zentrum der Erwachsenen- und Weiterbildung umgesetzt. Auch die Internationale Schule ist ein wertvoller Standortvorteil. Da bin ich mir sicher!

Trotz aller öffentlicher Diskussionen um die Kostenentwicklung im Verlauf des sogenannten PPP– Projektes – die nicht erst seit der Prüfung des Landesrechnungshofes bekannt ist – können wir auf den gewonnenen Vorsprung des Schulstandortes Kreis Offenbach stolz sein.

Das bestätigen uns nicht nur die Kultusminister der letzten Jahre, sondern auch die Betroffenen, also Lehrer, Eltern und Schüler. Der Kreis hat vor einiger Zeit die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer mit den vertraglich geschuldeten Leistungen der Projektgesellschaften überprüft.  

Dazu wurden alle 88 Schulleitungen aufgefordert, an einer Online-Befragung teilzunehmen. 


Die Rückmeldungen ergaben, dass fast 80 Prozent der Schulleitung mit den Dienstleistungen der Projektgesellschaft zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind. Die Ergebnisse beweisen, dass wir - bei allem Respekt vor den finanziellen Belastungen- den richtigen Weg eingeschlagen haben. Auch bei meinen regelmäßigen Schulbesuchen wird mir die hohe Zufriedenheit immer wieder bestätigt. Und ich habe bis auf drei Schulen – die Termine sind vereinbart – alle Schulen des Kreises besucht.


 

Neben den Investitionen in Schulgebäude und Ausstattung geht es darum, den neusten Stand der Pädagogik an unseren Schulen zu implementieren und die Bildungsdebatte aufmerksam zu verfolgen. 

 

Wenn wir der Meinung sind, etwas nutzt der Bildung von Kindern und Jugendlichen werden wir es umsetzen, völlig pragmatisch und ideologiefrei, für die Vielfalt in unserer Schullandschaft.

 

Mit einem weiteren Projekt der „Modellregion Inklusive Bildung“ wollen wir für Chancengleichheit beim Thema Bildung sorgen. 2006 verabschiedete die UNO-Generalversammlung in New York das „Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung“. Mit der Unterschrift Deutschlands unter dem Dokument sind auch wir als Schulträger gefordert, diese Regelung mit Leben zu erfüllen. Das bedeutet möglichst viele Kinder, die heute noch auf Förderschulen gehen, den Zugang zur Regelschule zu ermöglichen. Nicht ohne Stolz verweise ich auf unsere Vorreiterrolle in Sachen Inklusion: Zu Beginn des Schuljahres 2008/ 2009 wurde im Kreis Offenbach der Schulversuch „Begabungsgerechte Schule“ in Obertshausen und Mühlheim auf den Weg gebracht. Von den Schulen hörten wir beispielsweise immer wieder, dass Kinder mit Förderbedarf „Lernen“ an einer Regelschule deutlich früher lesen können und vor allem, dass sich das Schulklima positiv verändert. 

Die guten Erfahrungen dort an den Grundschulen haben uns Mut gemacht, als Partner des Landes Modellregion „Inklusive Bildung“ in Hessen zu werden. 
 

Mein Dank geht an die Schulen hier im Kreis, die diesen Weg mitgehen, denn er setzt große Bereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern aber auch aller Schülerinnen und Schüler voraus. Inklusion im Kreis Offenbach weiter voranzubringen ist nicht nur eine Frage des guten Willens. 

Wir stoßen, das zeigt der Schulalltag mit der Modellregion, aber auch an Grenzen. Insbesondere hinsichtlich der Personalausstattung.

Das alles entscheidende Kriterium, das im Mittelpunkt unseres Handelns stehen soll, muss das Kindeswohl sein. Wir wollen optimale Startvoraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. Kein Kind soll verloren gehen und jedes Kind soll im Rahmen seiner individuellen Begabungen gefördert werden. Deshalb steht für mich ebenfalls außer Frage: Eine gewisse Anzahl an Förderschulen muss bestehen bleiben, weil Eltern Wahlmöglichkeiten brauchen und Vielfalt im Schulwesen unverzichtbar ist.

 

Ebenso wichtiges Thema der nächsten Jahre im Bereich Schule ist der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Wir haben heute gerade durch das starke Engagement der Eltern vor Ort sowie unserer dreizehn Städte und Gemeinde eine Versorgungsquote im Grundschulbereich von rund 54 Prozent aller Grundschüler.
 

Der Kreis Offenbach hat in den Jahren 2013/ 2014 jeweils rund 1,7 Millionen Euro an Betriebskosten für die Nachmittagsbetreuung aufgewendet.


Mit dem Betrag unterstützt der Kreis Offenbach die Städte und Gemeinden in der Schulkinderbetreuung. Das ist nicht selbstverständlich. In anderen Landkreisen erhalten die kreisangehörigen Kommunen für diesen Betriebsaufwand eine Rechnung.

Das breite Betreuungsangebot im Kreis ist eine Gemeinschaftsleistung des Kreises Offenbach und seiner dreizehn Städte und Gemeinden sowie der Trägervereine, die von Ehrenamtlichen geführt werden. Doch wir müssen feststellen, der weiterhin steigende Bedarf an Betreuungsplätzen kann allein mit kommunalen Mitteln nicht erfüllt werden. Ich bin deshalb dem Land Hessen sehr dankbar, dass mit dem sogenannten „Pakt für den Nachmittag“ Unterstützung zugesagt wurde.  

 

Der „Pakt für den Nachmittag“ hat zum Ziel, die Betreuung von 07:30 Uhr bis 17:00 Uhr an den Grundschulen sicherzustellen. Der „Pakt für den Nachmittag“ sieht keine Zwangsmitgliedschaft vor, es bleibt freiwillig für die Städte und Gemeinden und die jeweilige Schule, ob sie sich nach den Maßgaben des Landes für die Teilnahme entscheiden wollen.

Dem Schulträger – und damit dem Kreis Offenbach – kommt die Aufgabe zu, die organisatorische Voraussetzung für die Umsetzung des Paktes zu schaffen. 

Vor diesem Hintergrund haben wir die Diskussion im Kreis zur Gründung einer gemeinnützigen GmbH angestoßen, die diese Aufgabe übernehmen soll. Diese Gesellschaft soll nicht nur als eine Art Relaisstation zwischen Land, Kommune, Schule und Kreis fungieren, sondern könnte gleichzeitig die Verantwortung örtlicher Trägervereine für die Schulkindbetreuung im Bedarfsfall abnehmen. Wir müssen nämlich feststellen, dass die Vorstände der Trägervereine, oftmals von Eltern geführt, sich zunehmend überlastet fühlen. Kein Wunder, denn über die Jahre sind aus den Trägervereinen kleine Unternehmen geworden. Dort sind Anstellungsverträge abzuschließen und sechsstellige Umsatzvolumen zu verantworten. Eine Aufgabe, die ehrenamtliche Vorstände nicht selbstverständlich tragen und übernehmen wollen. 


Hier muss über eine Auffanggesellschaft Hilfe angeboten werden, um bestehende Betreuungsangebote für die Zukunft zu sichern.

Meine Damen und Herren, der Kreis Offenbach hat viel in Bildung investiert. Und der Bildungsstandort Kreis Offenbach wird uns weiterhin viel Geld kosten. Die Grundsatzentscheidung hierzu engt den finanziellen Spielraum des Kreises zwar ein, aber hierzu haben wir im Kreistag immer wieder auch mit einstimmigen Beschlüssen „ja“ gesagt und Prioritäten gesetzt. Wer an der Bildung spart, spart meines Erachtens am falschen Ende. 

 

Gewiss müssen wir bestimmte Standards auch immer wieder überprüfen. An der generellen Ausrichtung sollten wir jedoch nichts ändern. Bildung wird in der Globalisierung zur Wohlstandsfrage. Ausbildung wird auf dem Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft zur sozialen Frage. Wir müssen also weiter auf den Bildungsstandort Kreis Offenbach setzen. 

 

Meine Damen und Herren,

 

zum positiven Profil unseres Kreises gehört zweifelslos seine Stärke als Wirtschaftsstandort. Das zurückliegende Jahr 2014 war ein gutes Jahr. Der Kreis konnte Rekordeinnahmen verbuchen. Allein bei der Gewerbesteuer haben die Kommunen die bisher höchste Summe von über 183 Millionen Euro einnehmen können, die Arbeitslosenquote lag um die fünf Prozent (oftmals leicht darüber oder darunter). . Derzeit gibt es rund 111.000 Arbeitsplätze bei uns im Kreis. Für uns ein Spitzenwert! Die Jugendarbeitslosigkeit schwankte zwischen drei bis vier Prozent. 

 

Zu Beginn des Ausbildungsjahres Herbst 2014 hatten gerade einmal 14 Jugendliche im gesamten Kreis keinen Ausbildungsplatz.

 

Die Vermittlungsquote unseres kreiseigenen Jobcenters „Pro Arbeit“ liegt bundesweit von 150 Jobcentern an dritter Stelle. Die Kaufkraft unserer Bürgerinnen und Bürger liegt etwa 16 Prozent über dem Bundesdurchschnitt und sieben Prozent über dem Landesdurchschnitt. 


Der Kreis zeichnet sich durch eine hohe Dynamik aus. Das zeigen jährlich circa 40.000 Zuzüge bei 38.500 Fortzügen. Wie ich finde eine starke Ausgangsposition. 



 

Mit einer deutschlandweit nahezu einzigartigen Infrastruktur, der Nähe zum internationalen Drehkreuz Frankfurter Flughafen sowie unsere Lage im Zentrum, eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands und Europas, der Region Frankfurt Rhein-Main, haben wir alle Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum.


Aber um es mit Henry Ford zu sagen: „Alles kann immer noch besser gemacht werden, als es gerade gemacht wird!“ Vor diesem Hintergrund haben wir bereits 2012 den konstruktiven Dialog mit der IHK begonnen. 

 

Nur gemeinsam mit der IHK, den Vertretern der Wirtschaft, den dreizehn Städten und Gemeinden können wir ein starkes Standortprofil gewinnen.


In einem ersten Schritt haben wir bereits 2011/ 2012 eine Wirtschaftsbroschüre veröffentlicht. Aktuell haben wir uns darauf verständigt, erstmals ein gemeinsames Wirtschaftsförderkonzept zu entwickeln. 

 
Um den Standort weiter zu stärken, wollen wir gemeinsam mit den dreizehn Kreiskommunen die Breitbandversorgung vorantreiben. Mit aktuell 78 Prozent Breitbandversorgung im Bereich von 50 Mbit sind wir heute laut Aussage des Hessischen Wirtschaftsministeriums einer der bestversorgtesten Landkreise in Deutschland. Die Versorgung ist jedoch nicht im gesamten Kreisgebiet gleichermaßen gut. 

 

Es gibt durchaus lokale Unterversorgung. Darum haben wir auch hier eine gemeinsame Handlungsstrategie entwickelt und wollen bis 2016/ 2017 50 Mbit im gesamten Kreis erreichen und sicherstellen. 

 

Ebenfalls von kreisweiter Bedeutung ist das Thema Mobilität. Denn einer unserer Standortvorteile ist die hervorragende Verkehrsinfrastruktur: Mit vier direkten Autobahnanschlüssen, ein engmaschiges ausgebautes Straßennetz, mit einem S-Bahn oder S-Bahn-artigen Anschluss in fast alle Städte und Gemeinden. Trotzdem oder gerade deswegen steht das Thema Mobilität ganz oben auf der Prioritätenliste des Kreises. Hier haben wir im Mai 2013 einen Leitbildprozess ins Rollen gebracht, es gibt viele Ideen gerade mit Blick auf den Radverkehr.
 

Dieser Prozess wird uns die nächsten Monate begleiten. Dies gilt ebenso für den Nahverkehrsplan ÖPNV. 

Nicht nur bei dem Thema Verkehr wird deutlich, dass kommunale Grenzen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunft müssen wir uns gemeinsam positionieren und die Ressourcen so bündeln, dass wir auch dauerhaft erfolgreich bleiben. Dabei muss uns aber immer klar sein: Politik schafft Rahmenbedingungen, unsere Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und erwirtschaften Ertrag. Da gilt für mich der Grundsatz, „nicht der ist besonders sozial der das Geld anderer Leute verteilt, sondern der dafür sorgt dass es überhaupt etwas zu verteilen gibt.“

 

Deshalb ist die Hauptaufgabe kommunaler Wirtschaftsförderung dafür zu sorgen, dass sich Unternehmen bei uns wohlfühlen.

 

Doch trotz der Rekordeinnahmen, die der Kreis der Wirtschaftskraft auch gerade seiner Kommunen verdankt, ist die finanzielle Ausgangslage nach wie vor schwierig. Zwar konnte das Defizit von etwa 107 Millionen Euro im Jahr 2011 auf aktuell 31,4 Millionen Euro abgesenkt werden, doch wenn wir das Ziel, 2018 einen ausgeglichen Haushalt vorzuweisen, erreichen wollen, führt nichts an dem Weg eiserner Haushaltsdisziplin vorbei. 

 

Das geschieht schon aus der eigenen Motivation, um dauerhaft Handlungsspielräume zurückzugewinnen – aber auch deshalb, weil wir seit 2013 Schutzschirmkommune sind und das vorgegebene Ziel der Aufsicht zu erfüllen haben.

 

Soweit es ging, wurden im vergangenen Jahr alle Budgets reduziert. Alle Sach- und Dienstleistungen restriktiv geplant. Auf zahlreiche Veranstaltungen wird verzichtet, um ein klares Bekenntnis zur Haushaltskonsolidierung abzugeben. 


Die sogenannten „freiwilligen Leistungen“ machen gerade einmal noch 0,25 Prozent des gesamten Haushaltsvolumens von über 540 Millionen Euro aus. 


Der strikte Sparkurs kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass gerade der Sozialetat - nach wie vor der größte Posten im Haushalt mit 242,7 Millionen Euro -, nicht auskömmlich durch den Bund finanziert wird.

 

Meine Damen und Herren, 

 

lassen Sie mich in diesem Zusammenhang kurz auf das Thema Asyl eingehen. Wir erleben derzeit die weltweit größte Flüchtlingswelle seit 1945. Der Kreis Offenbach hat im vergangenen Jahr über 1.200 Flüchtlinge aufgenommen. 2015 erwarten wir nach den Prognosen des Sozialministeriums nochmals 1.400 Flüchtlinge. In enger Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden ist es uns gelungen, diese humanitäre Aufgabe mit großer Kraftanstrengung zu bewältigen.

 

Die große Zahl der Unterstützerinnen und Unterstützer aus der Bürgerschaft, die diese Willkommenskultur mittragen, sprechen für sich und sie werden dies auch weiter tun. 


 

Dies beweist, dass wir als internationaler Landkreis über lange Erfahrung bei der Integration und über interkulturelle Kompetenz verfügen.

 

Ich sage aber auch, wir werden die vor uns stehenden Aufgaben nur durch ausreichende Unterstützung, insbesondere durch den Bund, bewältigen können. Dazu gehört, die Asylverfahren zügig zum Abschluss zu bringen. 

 
Die Phase der Unsicherheit während eines laufenden Asylverfahrens muss zuvorderst auch im Interesse der betroffenen Personen zu einem klaren abschließenden Ergebnis kommen. Und auch die kommunale Familie, die letztlich die organisatorische Umsetzung vor Ort zu bewältigen hat – nicht der Bund, der Bund verteilt die Flüchtlinge nur auf die Länder – müssen die Antragsverfahren in einem überschaubaren Zeitraum zum Abschluss kommen. Nur so können sich die Kommunen dauerhaft auf den tatsächlichen Bedarf einstellen. Dies darf sich nicht über Jahre hinziehen. 

 

Meine Damen und Herren,

 

im vergangenen Herbst haben wir unser aktuelles Buch über den Kreis Offenbach vorgestellt. Sein Titel „Lebensart“ ist bewusst gewählt, weil dieses Buch viele Beispiele aufzeigt, weshalb es sich im Kreis Offenbach gut leben lässt. Unser Kreis hat Lebensqualität. 


Das liegt zum einen an der hervorragenden Infrastruktur mit großstädtischem Charakter, aber mit viel Wald- und Grünflächen zur Naherholung, sozusagen eine Großstadt im Grünen, aber zum anderen insbesondere an den Menschen die sich hier engagieren: Das erleben wir im kulturellen, sportlichen und sozialen Bereich. Bei den Feuerwehren, Rettungsdiensten, in den Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie im Umwelt- und Naturschutz. Im Kreis Offenbach ist glücklicherweise mehr als ein Drittel der Kreisbevölkerung, etwa 120.000 Menschen, ehrenamtlich aktiv. Sie sind das gesellschaftliche Fundament, das erheblich zur Lebensqualität in unserem Kreis beiträgt. 


Deshalb müssen wir als Kreis dieses ehrenamtliche Engagement - wo es geht - unterstützen. Damit meine ich nicht nur die unmittelbare finanzielle Unterstützung, die in den Jahren trotz knapper Haushaltsmittel konstant blieb.

 

Ich meine auch ganz konkrete Projekte, wie beispielsweise die Gründung der Rettungsdienstschule vor zwei Jahren. Übrigens die Einzige eines Landkreises in Hessen. Dort werden Nachwuchskräfte im Rettungsdienst zum Rettungssanitäter und Rettungsassistenten bis zur Abschlussprüfung ausgebildet.

 

Neben der Aus- und Fortbildung hauptamtlicher Einsatzkräfte stehen auch die Förderung des Ehrenamts im Katastrophenschutz, sowie die Nachwuchsförderung für die Hilfsorganisationen im Mittelpunkt.

 
Oder das Beispiel „JobFit“. In der Zusammenarbeit mit Sportvereinen gelingt es uns über das Projekt „JobFit“ Jugendliche, denen der berufliche Einstieg schwer fiel oder misslang, erfolgreich in eine Ausbildung zu bringen und für den Arbeitsplatz fit zu machen. Dahinter steht der Gedanke, wer im Verein bei Training oder während des Spiels erfahren hat, dass man mit Durchhaltevermögen, Teamgeist und Ehrgeiz erfolgreich ist, dem helfen diese Werte gerade auch bei Ausbildung oder am Arbeitsplatz. Im Projekt „JobFit“ werden die Jugendlichen von persönlichen Mentoren betreut. Die Mentoren sind oftmals Trainer in ihrem Sportverein. Nahezu 100 Jugendliche konnten bereits so für die weiterführende Schule fit gemacht, direkt in einen Ausbildungsplatz oder in ein Praktikum vermittelt werden. Das Projekt „JobFit“ ist so erfolgreich, dass wir auch die Nachbarkommunen wie den Main-Kinzig-Kreis oder den Kreis Groß-Gerau, Frankfurt oder Offenbach mit ins Boot holen konnten. Nebenbei bemerkt: Gerade bei der Integration von Neubürgern – deutsch oder nicht deutsch – leisten unsere Sportvereine vorbildhafte Arbeit. 

 
Stichwort Kultur: Bei uns im Kreis gibt es ein breites Angebot in unseren Kommunen. Hochengagierte Musik- und Gesangsvereine, Künstler, Ateliers und Galerien, Museen von Ehrenamtlichen geführt, Büchereien, private Theater und Bühnen, Bürgerhäuser und Stadthallen, Initiativen und Musikschulen. Seit einiger Zeit arbeiten wir an der Vernetzung der vielfältigen Akteure im Kulturbereich. Wir haben die Marke „Kultur erleben“ entwickelt. Der gemeinsame Veranstaltungskalender mit der Offenbach-Post sowie den Städten und Gemeinden gibt einen Überblick über die Termine im Kreis. Es ist eben auch die kulturelle Vielfalt, die unseren Kreis prägt.


Zur Lebensqualität gehört aber auch die medizinische Versorgung, die im Kreis Offenbach eine hervorragende Nahversorgung bietet. An den beiden ehemaligen Kreiskliniken Langen und Seligenstadt wird von unserem innovativen und verlässlichen Partner Asklepios sozusagen fortlaufend investiert. Am Krankenhausstandort Langen wurde ein Herzkatheterlabor fertiggestellt, in den Röntgenbereich investiert und das Bettenhaus saniert. Und erst letztes Jahr wurde durch die Inbetriebnahme einer neuen Neurologisch-Internistisch-Geriatrischen Station in Seligenstadt das Angebot im Bereich Geriatrische Versorgung weiter ausgebaut. Asklepios setzt auf die Qualität der medizinischen Versorgung. In dieses Muster passt auch die jüngste Einweihung der neuen Privita – Komfortklinik an der Asklepios Klinik in Seligenstadt.

 

Das Thema Sicherheit ist ein wesentlicher Bestandteil von Lebensqualität. Laut der letzten Kriminalitätsstatistik gingen die Fallzahlen auf die niedrigste registrierte Marke (unter 17.000 Fälle) zurück. Parallel dazu stieg die Aufklärungsquote auf einen Spitzenwert im Polizeipräsidium Südosthessen. Man kann sagen, im Kreis Offenbach lebt es sich derzeit so sicher wie noch nie. Wir wollen uns hierauf aber nicht ausruhen und haben deshalb mit dem Polizeipräsidium Südosthessen den Kreispräventionsrat gegründet. Zum einen, um die sehr gute Ausgangslage weiter zu optimieren, aber auch um möglichen negativen Entwicklungen frühzeitig begegnen zu können. 


Dazu gehört auch die Beobachtung politisch oder religiös motiviertem Extremismus. Hier gilt es etwaige Tendenzen in der Entstehungsphase zu erkennen, um sofort entgegen zu wirken. Hier sind gerade auch die Schulen in der Zusammenarbeit ein wichtiger Partner. 


 

Lebensqualität bedeutet selbstverständlich Landschafts- und Naturschutz. Wir sind eine prosperierende Region. Aber es gibt gerade bei uns im Ballungsraum die Verpflichtung Wachstum sowie Natur und Umwelt in der Balance zu halten.

 

Deshalb setze ich auch in Zukunft auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden und Landwirten. 

 

Meine Damen und Herren,

 

ich bin der festen Überzeugung, dass die Politik des Kreises gegenwärtig neben erforderlicher Innovationskraft vor allem von Realitätssinn, Verlässlichkeit, Transparenz und Solidität geprägt sein sollte. Bürgernähe ist für mich keine Floskel, sondern Teil meines politischen Selbstverständnisses. Mir geht es darum, den Bürgern zuzuhören, ihre Sorgen und Nöte zu erfahren und zu wissen, was die Menschen denken. Das ist für mich deshalb wichtig, um abgewogene, sachliche Entscheidungen im Sinne der Allgemeinheit zu treffen. Dabei geht es mir um eine Politik, die für wirtschaftlichen Erfolg, Augenmaß, soziale Gerechtigkeit und Bildungschancen steht. Für die Menschen im Kreis Offenbach, um die Zukunft derer, die hier leben und die hier ihre Heimat haben.